
Heute Morgen stand ich wieder auf der Waage. Ich war mir sicher, dass ich diese Woche kein Gewicht verloren habe. Das Ergebnis waren 1,4 kg weniger als in der Vorwoche und insgesamt 12,5 kg Gewichtsverlust.
Ich war ehrlich überrascht. Wie kann meine eigene Einschätzung so weit von der Realität entfernt sein?
Die vermeintliche “Sünden-Woche”
Beinahe jeden Tag habe ich in dieser Woche eine Mahlzeit gegessen, die ich inzwischen eher vermeide und mir nur noch selten gönne. Zum Beispiel einen ziemlich großen Teller Spaghetti Bolognese mit einer ordentlichen Portion Käse obendrauf. Ähnliche Gerichte gab es diese Woche fast täglich, zusätzlich zu den anderen Mahlzeiten. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, kamen am Samstagabend, also direkt vor dem Wiegetag, auch noch spontan zwei Aperol Spritz dazu.
Mein Kopf hatte das Urteil längst gefällt: „Die Waage wird dich bestrafen.“ Aber das ist nicht passiert.
Mir ist etwas aufgefallen, das mich nachdenklich gemacht hat: Ich stufe bestimmte Lebensmittel oder Gerichte, wie einen Teller Spaghetti Bolognese, innerlich immer noch als viel „zu böse“ ein. Dabei kann ein solches Gericht problemlos Teil einer ausgewogenen Ernährung sein, solange die Gesamtbilanz stimmt. Mein innerer Kontrollzwang hat mir an dieser Stelle eine Geschichte erzählt, die mit der Realität wenig zu tun hatte.
Wenn die Augen den Körper nicht mehr erkennen
Diese Woche hat mir außerdem gezeigt, wie verzerrt meine eigene Körperwahrnehmung momentan ist. Obwohl ich inzwischen 12,5 kg abgenommen habe, fühle ich mich phasenweise immer noch unglaublich schwer. Wenn ich in den Spiegel schaue, nehme ich diese Veränderung gar nicht richtig wahr.
Ich merke, dass ich meine Fortschritte im Moment vor allem auf zwei Arten erkennen kann.
Der Fotovergleich: Wenn ich ältere Bilder mit aktuellen vergleiche.
Der Kleiderschrank-Test: Wenn ich Kleidungsstücke anziehe, die ich lange nicht mehr tragen konnte und sie plötzlich wieder passen.
Ich erlebe, dass sich mein Körper durch Mounjaro und meine neuen Gewohnheiten verändert. Mein altes Selbstbild hält sich dagegen erstaunlich hartnäckig. Es braucht offenbar deutlich mehr Zeit, bis sich auch meine Wahrnehmung an diese Veränderung anpasst. Diese Woche hat mir gezeigt, dass ich meinen eigenen Bewertungen momentan nicht vertrauen kann und dass kein Lebensmittel ein “Feind” ist.