Wenn alte Muster anklopfen – Emotionales Essen und der einsame Osterhase im Juli

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🏷️ Tag 103

Heute ist kein einfacher Tag. Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es sogar ein schwerer Tag. Nach vielen unbeschwerten Wochen und dem 100-Tage-Jubiläum hat mich heute meine Vergangenheit eingeholt.

Mein Food Noise ist heute laut. Doch im Gegensatz zu früher weiß ich heute recht genau, was dahintersteckt. Es ist kein körperlicher Hunger. Es ist emotionales Essen. Alte, tief sitzende Muster melden sich und nehmen heute viel Raum in meinem Kopf ein. Ich spüre diese beklemmenden, negativen Gefühle in mir, und mein Gehirn will auf die vertraute Bewältigungsstrategie zurückgreifen: essen, um zu verdrängen, essen, um zu betäuben.

Das Faszinierende und gleichzeitig Anstrengende ist: Dank Mounjaro kann ich mich heute gut zurückhalten. Diese innere Bremse funktioniert. Gleichzeitig zeigt sich aber auch etwas anderes: Mounjaro löst keine emotionalen Probleme. Die Bremse hält mich zwar vom Kühlschrank fern, aber die negativen Gefühle bleiben bestehen. Ich muss sie heute wohl aushalten.

Was ist emotionales Essen?

Beim emotionalen Essen werden Lebensmittel nicht genutzt, um körperlichen Hunger zu stillen, sondern um Gefühle zu regulieren. Stress, Einsamkeit, Trauer, Frust oder diese unbestimmte Beklemmung – Essen übernimmt in solchen Momenten die Rolle eines schnellen Trosts.

Das hat eine biochemische Grundlage: Hochkalorische, süße oder fettige Lebensmittel aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn und führen zur Ausschüttung von Dopamin. Kurzfristig entsteht ein besseres Gefühl, emotionaler Druck wird gedämpft. Das Problem ist die Dauer. Dieser Effekt hält nur kurz an. Danach bleiben die Gefühle zurück, oft begleitet von einem schlechten Gewissen. Mounjaro nimmt mir zwar den biologischen Drang, aber die emotionale Verknüpfung im Kopf („Frust = Schokolade“) bleibt bestehen und muss in Momenten wie heute bewusst wahrgenommen und neu eingeordnet werden.

Und jetzt raus aus dem Kopf: ein Moment zum Schmunzeln

Mitten in diesem emotionalen Tief gab es heute Nachmittag aber einen Moment, der mich trotzdem zum Lachen gebracht hat. Als der Drang nach Süßem am stärksten war, habe ich meine Vorratsschublade geöffnet. Mein Blick fiel auf ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit: einen Schoko-Osterhasen-Lolly.

Ein Osterhase. Es ist Juli! Ostern war im April.

Dieses Ding liegt seit Monaten unberührt in meiner Schublade. Vor Mounjaro hätte dieses Stück Schokolade keine 24 Stunden in meiner Wohnung überlebt. Dass mich diese Schokolade monatelang schlichtweg nicht interessiert hat, ist absolut verrückt.

Wenn ich das kurz auf mich wirken lasse, muss ich lachen. Der Food Noise ist heute laut, die Gefühle sind präsent. Aber dieser einsame Osterhase im Juli ist eine Erinnerung daran, wie viel sich verändert hat. Früher hätte mich ein solcher Tag schnell aus dem Gleichgewicht gebracht. Heute halte ich den Moment aus, nehme wahr, was da ist, schmunzle über den Osterhasen – und mache einfach weiter.